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„Und was verdienst du mit dem Schreiben?“

Diese Frage kommt früher oder später immer. Wenn ich dann antworte, dass ich mit dem Schreiben eigentlich überhaupt kein Geld verdiene, folgt fast automatisch die nächste Frage:„Warum machst du es dann überhaupt?“


In unserer Welt scheint der Wert einer Tätigkeit oft am Kontostand gemessen zu werden. Wenn etwas Kreatives keinen finanziellen Ertrag bringt, wirkt es schnell wie ein Hobby zweiter Klasse. Nett. Aber nicht wirklich ernstzunehmen.


Und ja – natürlich wäre es schön, mit meinen Geschichten richtig gutes Geld zu verdienen oder tausende von begeisterten Fans und Followern zu haben. Wer würde das nicht wollen? Zu schreiben und davon leben zu können, vielleicht sogar mit Unterstützung einer treuen Fanbase, die durch Buchkäufe oder Crowdfunding neue Projekte finanziert – das wäre selbstredend eine tolle Sache und großartig.


Aber das ist nicht der Grund, warum ich schreibe.


Ich schreibe, weil ich immer wieder neue Ideen bekomme. Weil ich beim Spazierengehen plötzlich denke: Was wäre eigentlich, wenn …? Dann entsteht eine kleine Welt in meinem Kopf. Figuren tauchen auf. Szenen spielen sich ab. Atmosphären entfalten sich. Ich sehe das alles vor mir, manchmal klarer als die Realität. Und ich finde den Gedanken unerträglich, dass diese Geschichten einfach nur in meinem Kopf existieren – und irgendwann mit mir verschwinden...


Natürlich kommen nach jeder spannenden Idee erstmal die Zweifel. Ist die Idee wirklich so gut, wie sie sich anfühlt? Und wenn sie es ist, kann ich sie denn literarisch auch so umsetzen, wie ich sie in meinen Gedanken vor mir sehe? Wie ich sie fühle? Reicht mein Talent? Reicht mein Fokus? Reicht mein Fleiß? Eine gute Idee ist leider noch kein gutes Buch. Zwischen beidem liegt sehr viel Arbeit. Ausarbeiten. Durchhalten. Überarbeiten. Durchhalten. Verwerfen. Neu anfangen. Durchhalten. Feinschliff. Artwork. Publikation. Aber vor allem Durchhalten. Daran scheitern die meisten (meiner) Ideen.


Zu Schreiben und die Geschichten irgendwann wirklich zu beenden heißt für mich, etwas in die Welt zu setzen, das es vorher so noch nicht gab. Vielleicht ist es nur eine kleine Geschichte. Vielleicht lesen sie nur sehr wenige Menschen. Vielleicht bleibt sie gänzlich unentdeckt. Aber sie existiert. Sie ist da. Sie hat Form bekommen. Und sie hat auf ihre ganz eigene Weise vorerst Bestand.


Finanziell lohnt sich das für mich nicht. Meine Verkaufszahlen bewegen sich pro Buch maximal im zweistelligen Bereich pro Jahr. Manchmal decken die Einnahmen die Produktions- und Werbekosten. Meistens eher nicht. Reich werde ich damit jedenfalls auf keinen Fall. Aber darum geht es auch nicht. Denn wenn ich in mein Regal schaue und meine eigenen Bücher dort stehen sehe, dann empfinde ich etwas, das sich nicht in Zahlen messen lässt.

Stolz.

Freude.

Dankbarkeit.

Sehnsucht.

Nicht, weil die Geschichten so toll und wunderbar sind. Im Gegenteil – ich sehe in jeder einzelnen, was ich mittlerweile anders machen würde. Aber das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist: Ich habe eine Idee nicht nur gedacht, sondern ihr zu einem eigenen kleinen Leben verholfen. Ich habe etwas erschaffen, das es vorher so nicht gab und das bleibt.


Und genau das ist der Punkt: Nicht alles im Leben muss monetär sinnvoll sein. Manche Dinge bringen keinen Cent, aber sie sind unbezahlbar sinnstiftend. Manche Dinge inspirieren. Jede Idee für eine gute Geschichte wurde von irgendetwas inspiriert. Und jede gute Geschichte hat die Kraft, selbst zu inspirieren. Schreiben ist für mich der Wunsch, Spuren zu hinterlassen – und seien sie noch so klein. Wenn ich damit auch nur einen Menschen inspirieren kann, war es ein voller Erfolg, selbst wenn ich davon nie erfahren werde.


Solange also in meinem Kopf und Herzen neue Ideen auftauchen, neue „Was wäre, wenn …“-Momente, solange werde ich weiterschreiben. Nicht, weil ich damit unter Umständen etwas verdienen kann. Sondern weil es liebe, inspiriert zu werden und weil es mich ganz einfach glücklich macht.

 
 
 

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