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Die KI und meine Bücher

27. Aug.
8 Min. Lesezeit

Warum und wie ich als Autor mit KI arbeite und welche neuen kreativen Möglichkeiten sich mir dadurch eröffnen



Comicartige Illustration eines Autors inmitten eines kreativen Arbeitsplatzes voller moderner Technik und Bücher. Um ihn herum sind unter anderem Mikrofon, Monitore mit Soundwellen, Laptop mit Manuskript, Tablet mit Mindmap, Kamera, Notizzettel und Buchstapel mit verschiedenen Projektideen zu sehen – als Symbol für die Verbindung von Kreativität, Geschichten und KI-gestützten Werkzeugen.


Ja, ich benutze KI für meine Bücher.


Aber…


…ich lasse mir meine Geschichten nicht schreiben, sondern ich nutze KI in ganz unterschiedlichen Formen:


  • fürs Brainstorming

  • für Recherchen

  • für Korrekturen

  • fürs Lektorat

  • für Bilder, Cover und Illustrationen

  • fürs Marketing


All das möchte ich gar nicht verstecken. Im Gegenteil: Ich möchte einmal erklären, wie und warum ich KI benutze. Denn gerade bei kreativer Arbeit wird die Diskussion oft sehr grundsätzlich und plakativ geführt.


Da heißt es schnell:

KI oder Mensch! Künstler oder Maschine!


Wir leben inzwischen in einer Zeit, in der KI unseren technologisierten Alltag immer stärker durchdringt. Die einen feiern die neuen Möglichkeiten, die sie eröffnet. Andere stehen ihr kritisch gegenüber oder fürchten ihre Auswirkungen. KI kann kreative Prozesse erleichtern und neue Möglichkeiten schaffen. Sie kann aber auch Arbeitsplätze gefährden, Einkommen beeinflussen, Urheberrechte verletzen und Auswirkungen auf unsere kulturelle Vielfalt haben.


Genau mit diesem Spannungsfeld beschäftigt sich auch die Deutsche UNESCO-Kommission in ihrem Beitrag über KI in Kunst und Kultur. Wer sich tiefergehend mit den Chancen und Risiken beschäftigen möchte, findet dort aus meiner Sicht eine sehr differenzierte Einordnung:


Die Folgen der KI-Entwicklung für Kunst und Kultur

Mir persönlich als Autor und Selfpublisher, der von seinen Büchern nicht leben kann (oder muss), eröffnet KI jedenfalls kreative Möglichkeiten, die ich vorher schlicht nicht hatte. Und das möchte ich im Folgenden etwas näher erläutern:


Am Anfang steht meine Geschichte


Bei mir beginnt jedes Buch zunächst einmal ganz klassisch: mit einer Idee. Es gibt eine Figur, eine Situation, einen Gedanken oder vielleicht nur einen einzelnen Satz, aus dem sich langsam eine Geschichte entwickelt.


Ich überlege, wer diese Figuren sind. Was sie erleben. Was sie wollen. Welche Entwicklung sie durchmachen. Ich entwerfe die Handlung, schreibe Szenen, streiche wieder Dinge, schreibe um, verwerfe Ideen und entwickle die Geschichte weiter.


Die Ideen kommen also von mir. Die Figuren auch. Ich entscheide, was passiert und welche Worte und Bilder am Ende im Buch stehen.


Aber so simpel ist es natürlich nicht – und war es auch noch nie. Denn auch bei einem klassischen Buchprojekt kommen irgendwann Agentur, Verlag, IllustratorInnen, Lektorat oder Marketing ins Spiel. All diese Menschen und Bereiche beeinflussen das Buch und seine Präsentation.


Da mir all diese externen Komponenten nicht zur Verfügung stehen bzw. ich sie mir als Selfpublisher nicht leisten kann, kommt bei mir mittlerweile ab einem gewissen Zeitpunkt die KI ins Spiel.


Die KI als Gesprächspartner


Ich benutze KI zunächst einmal als eine Art kreativen Gesprächspartner. Ich kann Ideen hin- und herwerfen, Szenarien durchspielen, Fragen stellen, Recherchen betreiben und nach Inspiration suchen. Zum Beispiel:


  • Was passiert, wenn diese Figur an dieser Stelle anders reagiert?

  • Ist die Charakterentwicklung nachvollziehbar?

  • Passen diese Handlung oder dieser Dialog wirklich zu dem Charakter, den ich vorher aufgebaut habe?

  • Funktioniert die Szene oder ist sie zu lang, zu langsam oder vielleicht sogar überflüssig?


Mit der KI kann ich verschiedene Möglichkeiten durchspielen, Gedanken verfolgen und auch bewusst Gegenargumente suchen. Das ersetzt jedoch nicht mein eigenes Denken.


Im Gegenteil:


Oft zwingt es mich, noch einmal genauer darüber nachzudenken, warum ich eine bestimmte Entscheidung getroffen habe. Manchmal bekomme ich dabei einen guten Impuls. Manchmal ist es ein schlechter. Und manchmal kommt ein Vorschlag, den ich sofort wieder verwerfe. Aber auch das kann hilfreich sein. Denn am Ende muss ich mich immer selbst mit meinem Text auseinandersetzen.


Ich benutze KI nicht, um weniger kreativ zu sein. Ich nutze sie, weil ich dadurch viel kreativer und lebendiger arbeiten kann und weil ich so überall und jederzeit einen inspirierenden Dialog über mein aktuelles Werk führen kann.


Die KI fürs Lektorat und Korrektorat


Ein weiterer Bereich, in dem ich KI nutze, ist die Überarbeitung meiner Texte.

Ich lasse mir Texte analysieren. Ich prüfe mit ihrer Hilfe Figurenentwicklungen und Handlungsstränge. Ich lasse sie auf mögliche Unstimmigkeiten hinweisen und am Ende nutze ich sie auch für Korrekturen.


Warum? Ganz einfach:


Weil ich mir ein professionelles Lektorat nicht leisten kann.


Ein gutes Lektorat kostet Geld. Und das zu Recht. Qualifizierte Menschen investieren ihre Zeit, ihre Erfahrung und ihr Fachwissen. Meine persönliche Lebenswirklichkeit sieht jedoch so aus, dass ich mir nicht ohne Weiteres ein professionelles Lektorat leisten kann.


Die Frage lautet für mich also weniger:


„Beauftrage ich einen menschlichen Lektor oder nehme ich eine KI?“


Sondern:


„Mache ich mein Lektorat mit KI oder vertraue ich dem Text ohne ein solches Feedback?“


Und deshalb ist KI für mich an dieser Stelle eine tolle Möglichkeit, meine Texte zu reflektieren und zu verbessern. Auch wenn mir bewusst ist, dass eine KI kein professionelles Lektorat ersetzt. Sie ermöglicht mir eine Form des Lektorats, die sich sehr gezielt an meinen eigenen Fragen, Wünschen und Anforderungen orientiert.


Hierbei ist Folgendes wichtig zu beachten:

Eine KI macht Fehler. Sie übersieht Dinge. Sie widerspricht sich. Sie neigt manchmal dazu, mir gefallen zu wollen, indem sie einen Text erstmal begeistert lobt und erst nach gewissenhaftem Nachfragen auf mögliche Schwachstellen hinweist. Und manchmal muss man sehr genau hinschauen, ob eine vorgeschlagene Änderung wirklich sinnvoll ist oder ob die KI nur etwas verändern möchte, weil sie von mir gefragt wurde, was man verbessern könnte.


Das alles muss man wissen. Und deshalb muss man sehr gut aufpassen.


Aber genau dieses Aufpassen hat für mich sogar einen interessanten Nebeneffekt:

Es schärft meinen eigenen Blick auf den Text. Ich kann einen Vorschlag nicht einfach blind übernehmen. Ich muss überlegen:


Stimmt das überhaupt? Will ich das? Verbessert das meine Geschichte – oder macht es sie nur anders?


Dadurch bleibe ich im Prozess. Und das ist bei einem menschlichen Lektorat nicht grundsätzlich anders. Auch ein menschliches Lektorat beeinflusst einen Text. Ein Lektor bzw. eine Lektorin gibt Hinweise, stellt Fragen, schlägt Änderungen vor und bringt einen anderen Blick auf eine Geschichte mit. Manchmal verlangen Verlage sogar Änderungen, obwohl man das als Autor/in gar nicht ändern will.


Deshalb immer bedenken: Feedback ist nicht dasselbe wie Autorenschaft.


Wenn ich mit einer KI arbeite, entscheide ich am Ende, welche Hinweise ich annehme, was ich verändere und was ich bewusst so lasse, wie ich es ursprünglich geschrieben habe. Und ehrlich gesagt macht mir diese Art zu arbeiten inzwischen richtig Spaß. Ich kann Ideen durchspielen, über Figuren diskutieren und Texte immer wieder neu betrachten.

Und ja, regelmäßig bekomme ich dabei eine Art übertriebenen Pep Talk: Die KI lobt mich überschwänglich. Sie motiviert mich. Sie erinnert mich daran, was an meiner Geschichte funktioniert und was sie besonders macht.


Und Pep Talk funktioniert nicht nur im Sport. Auch beim Schreiben. Und das macht Spaß!Natürlich weiß ich, dass dieses Lob von einer KI kommt, die mir gefallen will, und ich muss es entsprechend einordnen. Aber Motivation ist trotzdem Motivation.


Hinzu kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt:


KI spart mir Zeit.


Als in Vollzeit arbeitender Mensch, Familienvater und Ehemann habe ich nicht unbegrenzt Stunden zur Verfügung, um abends oder am Wochenende an meinen kreativen Projekten zu arbeiten. Ich muss mir meine begrenzten Zeitfenster genau überlegen.


Wenn ich zudem einen Gedanken mal schnell durchspielen oder eine Szene überprüfen kann, ohne dafür auf externes Feedback warten zu müssen ( ein Telefontermin, ein Videocall, eine Email oder Ähnliches), dann hilft mir das enorm und nimmt mir viel Druck.


KI und die Bilder


Neben dem Schreiben gibt es noch einen anderen Bereich, in dem KI meine Möglichkeiten erheblich erweitert hat: Illustrationen und Grafiken.


Ich kann durchaus unterhaltsame Geschichten schreiben. Aber ich kann absolut nicht zeichnen. Ich kann mir zwar recht genau vorstellen, wie eine Figur aussehen soll. Wie eine bestimmte Szene wirken soll. Welche Stimmung ein Bild haben soll. Aber mir fehlen die handwerklichen Fähigkeiten, um diese Vorstellungen auf Papier oder digital umzusetzen.


Natürlich könnte ich einen Illustrator oder eine Illustratorin beauftragen. Doch auch hier stellt sich wieder die Frage nach der finanziellen Möglichkeit: Ein professionell gestaltetes Cover kostet bereits mehrere hundert Euro. Je nachdem, welche Nutzungsrechte benötigt werden, kann es deutlich teurer werden. Und wenn ein Buch nicht nur ein Cover, sondern auch Illustrationen enthalten soll, ist man schnell im vierstelligen Bereich. Das kann ich mir schlicht und einfach finanziell nicht leisten.


Erneut lautet die Frage für mich also nicht:


„Beauftrage ich jemanden oder benutze ich KI?“


Sondern:


„Kann ich meine Idee überhaupt umsetzen – oder bleibt sie für immer in meinem Kopf?“


Und genau an dieser Stelle eröffnet mir KI eine Möglichkeit, die ich vorher nicht hatte. Ich kann beschreiben, was ich mir vorstelle. Ich kann ausprobieren. Ich kann sagen: Nein, so sieht diese Figur für mich nicht aus. Ich kann Details verändern, Perspektiven wechseln und verschiedene Stimmungen testen.


Auch hier spiele ich immer mir mit der KI den Kreativitätsball x-fach hin und her.


Die KI ist dabei für mich ein Werkzeug, mit dem ich eine bereits vorhandene Vorstellung sichtbar mache. Am Ende entscheide ich, welches Bild zu meiner Geschichte passt. So kann ich meine Visionen auf ganz unterschiedliche kreative Arten und in verschiedenen Formen ausleben, die mir zuvor verschlossen geblieben waren. Plötzlich kann ich Geschichten mit Bildern entwerfen.


Ohne diese neue Möglichkeit könnten einige meiner geplanten Projekte niemals entstehen.


KI hilft auch beim Marketing


Die Vorteile der Arbeit mit KI gelten auch für viele Dinge rund um meine Bücher, denn als Selfpublisher muss man bekanntlich alles alleine machen. Ich kann sie nutzen für Emails, Newsletter, Kurzvideos, Postings, Blogeinträge, Inhaltsangaben, Klappentexte usw., um andere auf mein Buch aufmerksam zu machen. Auch ist sie enorm hilf- und lehrreich, wenn ich mich mit mir noch unbekannten Medienformaten auseinandersetzen muss, in denen ich Werbung schalten möchte.


Diese vielfältigen Möglichkeiten nutze ich bislang noch so gut wie gar nicht. Hier und da mal ein Instagram-Beitrag und eine Story und das war's. Das ist nicht viel und daher kennt auch so gut wie niemand meine Bücher und sie verkaufen sich kaum. Aber das ist meine Realität und das ist absolut okay.


Eine Form der Rezeption stört mich aber schon und der wirke ich gern mit etwas KI-Unterstützung entgegen:

Leider hat man immer noch oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass Geschichten, die nicht bei einem „richtigen“ Verlag erscheinen, weniger hochwertig seien. Das ist natürlich Unsinn und gilt für die Literaturbranche ebenso wie für Musik oder jede andere Kunstform. Dennoch ist es aufgrund dieser Vorurteile umso wichtiger, dass die selbstproduzierten Bücher auch optisch dem aktuellen Standard entsprechen. Das Gleiche gilt für die Bewerbung der Bücher. Eine professionell gestaltete Optik beeinflusst stark die Kaufentscheidung und nur, wer das Buch kauft und liest, kann sich eine Meinung über die Qualität der Geschichte bilden.


Auch hierbei hilft mir die KI. Ich formuliere meine Ideen zunächst und optimiere sie dann Schritt für Schritt in einem kleinen Entwicklungsprozess, bis sie zur Veröffentlichung auf Social Media taugen. Das spart mir vor allem Zeit und gewährleistet gleichzeitig eine angemessene Qualität, mit der ich zufrieden bin.


Die Alternative zu KI ist nicht immer ein Mensch


Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt, wenn ich über meinen Umgang mit KI spreche. Ich benutze KI nicht, weil ich grundsätzlich lieber eine Maschine als einen Menschen beauftrage. Absolut nicht. Und ich benutze sie auch nicht, um möglichst wenig Geld auszugeben.


Für mich stellt sich nicht die Frage:


„Bezahle ich einen Menschen oder nehme ich die günstigere und schnellere KI?“


Die Frage lautet:


„Kann ich mir menschliche Unterstützung überhaupt leisten?“


Leider lautet die Antwort in meiner aktuellen Lebensrealität: Nein. Ich kann mir ein professionelles Lektorat, eine ausgebildete Grafikerin oder andere Formen des hochwertigen Supports nicht leisten.


Die Alternative zur KI ist also, dass das Buch kein Lektorat erhält oder die Geschichte nicht illustriert wird. Und das wiederum kann bedeuten, dass eine tolle Idee oder ein das spannendes Projekt letztendlich nicht weiterverfolgt werden kann und auf Eis gelegt wird.


Somit ersetzt KI für mich keine Menschen.

Oft ersetzt sie schlicht das Nichtexistieren.


KI ermöglicht mir mehr Kreativität


Meine Geschichten bleiben meine Geschichten. Meine Figuren bleiben meine Figuren. Meine Entscheidungen bleiben meine Entscheidungen.


Ich lasse mir meine Geschichten nicht von einer KI schreiben. Ich schreibe sie selbst und entscheide, welche Ideen ich weiterverfolge und welche Worte und Bilder am Ende in meinem Buch stehen.


Natürlich arbeite ich mittlerweile mit einem sehr mächtigen und verführerischen Werkzeug, das es vor einigen Jahren in dieser Form noch nicht gab. Und natürlich verändert dieses Werkzeug meine Arbeitsweise.


Ich benutze KI, weil sie mir hilft:

  • meine Ideen zu hinterfragen und durchzuspielen,

  • eine Form von Lektorat zu ermöglichen, die ich mir sonst nicht leisten könnte,

  • Bilder und Grafiken zu entwickeln, die ich selbst nicht erstellen oder bezahlen kann,

  • wertvolle Zeit zu sparen,

  • meinen Geist für neue Ideen und Projekte zu öffnen,

  • mir neue kreative Möglichkeiten zu eröffnen.


Ich nutze KI also, um mehr von meinen eigenen Geschichten auf meine ganz eigene Weise erzählen zu können. Und das ist für mich persönlich ein wunderbares Geschenk.




 
 
 

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